

Wer mich wirklich kennt, weiß es: In meinem Herzen schlägt schon immer ein ganz besonderes Taktgefühl – das Hufgeklapper eines Pferdes. Seit ich denken kann, war ich ein echtes Pferdemädchen. Und wenn ich ehrlich bin, bin ich das heute immer noch. Schon als kleines Kind strahlten meine Augen jedes Mal, wenn irgendwo ein Pferd auftauchte. Ich war sofort wie magisch angezogen, egal ob auf einem Spaziergang, einer Autofahrt oder im Fernsehen. Für mich waren Pferde nie einfach nur Tiere. Sie waren geheimnisvoll, sanft, unglaublich stark und gleichzeitig so feinfühlig – Wesen, die mich vom ersten Moment an fasziniert haben.

Mein Seelenpferd „Cillio“
Die ersten Funken Pferdemagie
Nicht weit entfernt von meinem damaligen Zuhause lag ein großer Pferdehof – für mich als Kind der Ort, an dem Zauber wahr wurde. 30 Minuten Fußmarsch. Das klingt heute so banal, doch damals war das der Weg ins Glück. Meine Mutti, meine Schwester und ich gingen dort oft hin. Und jedes Mal stand ich am Zaun wie verzaubert, bestaunte diese großen, warmen Augen, die weichen Nüstern, das Kauen am Heu, die ruhigen Bewegungen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich die Reiter auf ihren Pferden beneidet habe. Sie hatten das, wovon ich so sehr träumte: die Nähe, das Vertrauen, das Gefühl, Teil dieser Welt zu sein. Reitstunden zu nehmen war damals allerdings schwierig – zeitlich, finanziell, organisatorisch. Also blieb der Kontakt zu Pferden meist auf Urlaube beschränkt. Bauernhofurlaub war für mich das Größte. Einmal die Ferien über ein Pony putzen, füttern, vielleicht sogar ein kleines Stück reiten dürfen – das war für mich wie ein Sechser im Lotto.

Ich liebte dieses Pferd abgöttisch. Nach dem reiten wurde er erstmal versorgt.

Fertig machen für`s reiten.
Wie alles Fahrt aufnahm: Die Ausbildung zur Ergotherapeutin
Als ich älter wurde und meine Ausbildung zur Ergotherapeutin begann, veränderte sich vieles in meinem Leben – aber eines blieb: die Pferdeliebe. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich dachte: „Jetzt oder nie. Ich will wieder aufs Pferd.“
Also machte ich mich auf die Suche nach einem Hof, auf dem ich regelmäßig reiten konnte. Zusammen mit einer Mitschülerin fuhr ich jede Woche zu einem kleinen Stall. Es war unser persönlicher Mini-Urlaub vom Schulstress. Und obwohl es nur einmal pro Woche war, fühlte es sich an, als würde in mir endlich wieder eine Tür aufgehen, die viel zu lange verschlossen war. Mit meinem ersten selbst verdienten Geld änderte sich dann alles: Ich konnte mir mehr Stunden leisten, häufiger reiten, intensiver lernen. Endlich konnte ich das tun, was ich mir als Kind so sehnsüchtig gewünscht hatte. Nur eins war mir von Anfang an glasklar: Ich wollte nicht das klassische Reitschul-Programm.
Was ich nie wollte – und was ich stattdessen suchte
Dieses Bild von zehn Pferden, die stumpf hintereinander herlaufen, während der Reitlehrer in der Mitte steht und von Pferd zu Pferd ruft… Das war nie meins. Viele Schulpferde wirkten auf mich oft müde, abgestumpft oder schlicht überfordert – und ich wusste schon damals, dass ich keinen Reitweg gehen will, der auf Kosten eines Pferdes geht.
Ich wollte Beziehung. Echtes Arbeiten. Ein Miteinander, das sich gut anfühlt – für beide Seiten.

„Prinz“ eins meiner Pflegepferde.
Der Stall, der alles veränderte
Irgendwann fand ich ihn dann: einen Hof ganz in meiner Nähe, der mich drei Jahre lang begleiten sollte. Und dort passierte etwas, womit ich nie gerechnet hatte: Ich fand mein Seelenpferd.
Sein Name war Cillio.
Schon als ich ihn das erste Mal sah, war da dieses Gefühl: „Der ist besonders.“ Ein wunderschöner 18 jähriger brauner Wallach, etwa 1,65 m Stockmaß, hinten zwei weiße Fesseln und eine markante Blesse, die ihn aussehen ließ wie aus einem Bilderbuch. Ich durfte ihn jede Woche reiten. Ich habe viel von ihm gelernt und vielleicht auch über mich selbst.

Eins meiner Lieblingsbilder.

Wenn zwei in die gleiche Richtung schauen…

Meine Lieblingsgangart.
Warum ich gehen musste
Doch wie so oft im Leben war irgendwann klar: Ich muss weiterziehen. Die Umstände im Stall wurden für mich immer schwerer zu tragen – besonders für die Pferde, und ich konnte das nicht ausblenden. Egal wie sehr mein Herz dranhängt: Wenn sich etwas nicht gut anfühlt, muss man manchmal loslassen.
Und ja… ich gebe es zu: Ich habe damals tatsächlich darüber nachgedacht, Cillio zu kaufen.
Warum ich es nicht getan habe?
Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr. Vielleicht fehlte der Mut. Vielleicht die Stabilität. Vielleicht war es einfach nicht der richtige Zeitpunkt.
Manchmal denke ich heute noch an ihn und frage mich, wie es wohl gewesen wäre. Und trotzdem – auch ohne eigenes Pferd ist er ein Kapitel meines Lebens, das ich niemals vergesse.
Viele Pferde, viele Geschichten
Nach Cillio gab es noch einige Pflegepferde von Privatleuten, die meinen Weg begleitet haben. Jedes Pferd war anders, jedes hat mir etwas beigebracht, jedes hatte seine eigene Geschichte. Ich durfte Vertrauen schenken und Vertrauen bekommen – und das ist etwas, das ich bis heute als großes Geschenk empfinde.

„Huj“ ein waschechter Spanier. Auf ihm, mein Sohn.

Ausreiten ist doch das schönste! Hier mit „Huj“ bei uns am Markkleeberger See.

Ja…und gemeinsames Schwimmen durfte auch nie fehlen. Hier mit der Stute „Bona“
Warum ich dieses Kapitel teile
Vielleicht fragst du dich, warum ich all das hier erzähle.
Weil diese Pferdezeit ein Teil von mir ist. Ein sehr großer sogar.
Sie hat mich geprägt, geformt, gestärkt.
Und ganz ehrlich: Wer einmal ein Pferdemädchen war… bleibt es für immer. Egal, wie viel Zeit vergeht. Egal, ob man gerade reitet oder nicht.
Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt. Vielleicht galoppiert irgendwann wieder ein Fellknäuel mit vier starken Beinen in mein Leben. Vielleicht auch nicht. Aber eines weiß ich: Das Pferdemädchen in mir ist lebendiger denn je – und das reicht völlig.
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