Norwegens Fjorde
Mein Schiff in Molde
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31. Mai 2026

Manchmal braucht die Seele einen neuen Horizont

Es gibt Ereignisse im Leben, die alles verändern.

Momente, nach denen nichts mehr so ist, wie es einmal war. Momente, die einem den Boden unter den Füßen wegziehen und eine Leere hinterlassen, die sich kaum in Worte fassen lässt. Vor einem Jahr stand ich genau an diesem Punkt. Ich musste meine über alles geliebte Hündin Keksi gehen lassen. Wer selbst schon einmal ein Tier verloren hat, das über viele Jahre ein fester Bestandteil des eigenen Lebens war, weiß vielleicht, wovon ich spreche. Keksi war nicht einfach nur mein Hund. Sie war meine tägliche Begleiterin, meine Seelenverwandte, meine beste Freundin und ein Teil meiner Familie. Mit ihrem Abschied verlor ich nicht nur einen Hund. Ich verlor einen Teil meines Alltags, meiner Gewohnheiten und auch ein Stück von mir selbst. Die Wochen und Monate danach waren geprägt von Trauer. Von dieser besonderen Art von Trauer, die plötzlich aus dem Nichts auftaucht. Die einen beim Einkaufen erwischt, beim Spaziergang oder einfach nur beim Blick auf einen leeren Platz, an dem früher jemand lag. Und genau in dieser Zeit entstand ein Gedanke. Ein Gedanke, der zunächst ganz leise war. Der Gedanke, einfach einmal rauszufahren.

Ein Cavalier King Charles Spaniel und eine junge Frau am Strand

Genau an dem Ort, den wir beide immer am meisten geliebt haben: am Strand.

Ein Traum, der schon lange existierte

Mein Mann hatte schon lange den Wunsch, einmal mit dem Schiff nach Norwegen zu fahren. Immer wieder hatte er davon erzählt. Von den Fjorden. Von der unendlichen Natur. Von den Bergen. Von der Ruhe. Es war sein großer Traum. Doch wir hatten diese Reise nie gemacht. Nicht, weil wir nicht wollten. Sondern weil wir Keksi nicht zurücklassen wollten. Für uns war immer klar gewesen, dass sie zu unserer Familie gehört. Deshalb haben wir viele Entscheidungen an ihrem Wohl orientiert. Und so blieb Norwegen zunächst nur ein Gedanke. Ein Wunsch für irgendwann.

Mein Schiff in Molde

Einfach losfahren und staunen.

Der richtige Zeitpunkt

Nach Keksis Abschied fühlte sich vieles schwer an. Mein Mann war in dieser schweren Zeit weit mehr als nur eine Stütze für mich. Während ich oft das Gefühl hatte, den Boden unter den Füßen verloren zu haben, war er derjenige, der mich gehalten hat. Er hat die unzähligen Tränen ausgehalten, die Momente der Verzweiflung mitgetragen und mir die Zeit gegeben, die ich gebraucht habe, um überhaupt irgendwie mit dem Verlust zurechtzukommen. Es gab Tage, an denen ich selbst nicht wusste, wie ich den nächsten Schritt gehen sollte. Tage, an denen die Trauer so überwältigend war, dass selbst die kleinsten Dinge schwerfielen. Und genau dann war er da.  Er hat mich aufgefangen, wenn ich gefallen bin. Hat mich getragen, wenn ich selbst keine Kraft mehr hatte. Hat mich daran erinnert, dass ich nicht allein bin. Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, weiß ich nicht, wie ich sie ohne ihn überstanden hätte. Genau deshalb entstand in mir irgendwann der Wunsch, ihm etwas zurückzugeben. Nicht, weil man Liebe aufwiegen oder zurückzahlen kann. Das kann man nicht. Aber weil ich ihm von Herzen zeigen wollte, wie dankbar ich für alles bin, was er für mich getan hat. Schon lange träumte er davon, einmal mit dem Schiff nach Norwegen zu reisen. Immer wieder hatte er von den Fjorden, den Bergen und der unendlichen Weite erzählt. Und plötzlich fühlte es sich an, als wäre genau jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.Also beschlossen wir, die Reise zu buchen. Nicht als Flucht vor der Trauer. Nicht, um etwas zu vergessen oder zu verdrängen. Sondern als gemeinsamen Weg zurück ins Leben. Als Möglichkeit, wieder durchzuatmen, neue Kraft zu sammeln und nach all den schweren Monaten wieder schöne Erinnerungen entstehen zu lassen. Heute weiß ich, dass diese Reise nicht nur ein Geschenk für ihn war. Sie war auch ein Geschenk für mich.

 

 

Norwegens Fjorde

Die Reise beginnt im Kopf und endet im Herzen.

Molde

Hier beginnt das Wiederfinden.

Die längste Wartezeit überhaupt

Kennt ihr das Gefühl, wenn man sich auf etwas so sehr freut, dass die Zeit einfach nicht vergehen will? Genau so war es. Die Monate bis zur Abreise zogen sich gefühlt ewig hin. Immer wieder schauten wir Bilder von Norwegen an. Lasen Reiseberichte. Planten unsere Route. Und mit jedem Tag wuchs die Vorfreude. Gleichzeitig schwang aber auch eine gewisse Unsicherheit mit. Würde die Reise wirklich so besonders werden, wie wir es uns vorstellten? Würde sie uns guttun? Oder waren unsere Erwartungen vielleicht zu groß?

Ein Mann mit einer kamera an Board der Mein Schiff 3

Einfach losfahren und staunen.

Bergen-Norwegen

Einfach sein. Mehr nicht.

Der Moment, als alles begann

Dann war er plötzlich da. Der Tag der Abreise. Als wir in Bremerhaven auf das riesige Schiff liefen und an Deck standen, wurde mir bewusst: Jetzt passiert es wirklich. Die Leinen wurden gelöst. Langsam setzte sich das Schiff in Bewegung. Und während Deutschland immer kleiner wurde, geschah etwas in mir. Eine Welle aus Gefühlen überrollte mich. Trauer, Dankbarkeit, Freude,  Erleichterung, Hoffnung,  Alles gleichzeitig. Es fühlte sich an, als würde ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder richtig durchatmen können. Als würde eine Last von meinen Schultern fallen, die ich ein ganzes Jahr lang mit mir herumgetragen hatte.

Ich liebe Dich

Willkommen in Norwegen

Und dann kam Norwegen. Ehrlich gesagt fehlen mir bis heute die richtigen Worte. Denn wie beschreibt man etwas, das man eigentlich fühlen muss?

Diese Landschaften.

Diese Weite.

Diese Ruhe.

Diese Natur.

Kilometerlange Straßen, die sich durch Berge und Täler ziehen. Fjorde, die aussehen, als hätte jemand sie gemalt. Wasserfälle, die aus schwindelerregenden Höhen herabstürzen. Und eine Stille, die man in unserer hektischen Welt kaum noch findet. Es war nicht einfach nur schön. Es war überwältigend. Die Kraft der Natur Während unserer Reise verbrachten wir viele Stunden draußen. Wir hielten an Aussichtspunkten. Liefen durch kleine Orte. Saßen einfach nur da und schauten auf die Landschaft. Und irgendwann bemerkte ich etwas. Meine Gedanken wurden ruhiger. Die innere Unruhe verschwand. Zum ersten Mal seit langer Zeit war ich nicht ständig mit der Vergangenheit beschäftigt. Ich war im Hier und Jetzt. Genau dort, wo ich sein wollte. Nicht gestern. Nicht morgen. Sondern genau in diesem Moment. Vielleicht war es die Natur. Vielleicht die Weite. Vielleicht auch einfach die Zeit. Wahrscheinlich war es von allem ein bisschen.

Norwegens Fjorde

Jeder Kilometer ein neues Staunen.

Genau hier ist jetzt.

Keksi war überall dabei

Und obwohl Keksi körperlich nicht mehr bei uns war, war sie irgendwie trotzdem dabei. In Gedanken, in Erinnerungen, in Gesprächen. Nicht mehr als Schmerz. Sondern als Teil unserer Geschichte. Zum ersten Mal konnte ich an viele gemeinsame Momente denken und dabei lächeln. Nicht jede Erinnerung tat mehr weh. Viele fühlten sich plötzlich warm an. Dankbar, Liebevoll. Fast so, als würde sie sagen: „Mach dir keine Sorgen. Mir geht es gut.“

In Bergen auf dem Aussichtspunkt

Weite, so weit das Auge reicht.

Mehr als nur eine Reise

Wenn mich heute jemand fragt, wie Norwegen war, dann antworte ich meistens: Unbeschreiblich. Denn diese Reise war viel mehr als ein Urlaub. Sie war eine Reise zurück zu mir selbst. Eine Reise zurück ins Leben. Eine Reise ins Hier und Jetzt. Norwegen hat meine Trauer nicht verschwinden lassen. Und das sollte es auch gar nicht. Aber es hat mir gezeigt, dass neben der Trauer wieder Platz für Freude entstehen darf. Für Staunen. Für Lachen. Für neue Erinnerungen. Und genau dafür bin ich unendlich dankbar.

Norwegens Fjorde

Wenn die Reise selbst zum Erlebnis wird.

Was von dieser Reise bleibt

Wenn ich heute auf diese Reise zurückblicke, empfinde ich vor allem eines: Dankbarkeit. Dankbarkeit für die unbeschreiblich schöne Natur Norwegens. Dankbarkeit für die vielen besonderen Momente, die wir erleben durften. Und vor allem Dankbarkeit für den Menschen an meiner Seite, der mich durch die schwerste Zeit meines Lebens begleitet hat. Diese Reise war mehr als nur ein Urlaub. Sie war ein Geschenk. Für ihn. Für mich. Und für uns.

Erinnerungen, die bleiben.

Ich liebe Dich!

Über die Autorin:

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Stefanie Kappe

Stefanie Kappe ist Hundefotografin und Hundemama im Herzen. Ihre Hündin Keksi begleitete sie viele Jahre und wurde zu ihrer größten Inspiration. Die gemeinsamen Abenteuer in der Natur prägten ihren Blick für echte, berührende Momente. Heute führt sie ihre Arbeit mit all den Erinnerungen weiter, die Keksi ihr mit auf den Weg gegeben hat.