

Warum ich diesen Text schreibe…
Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag wirklich veröffentlichen möchte. Ob er hierher gehört. Ob er zu mir passt – zu meiner Webseite, zu mir als Hundefotografin, zu dem Bild, das viele von mir haben. Und dann wurde mir klar: Ja, genau deshalb gehört er hierher. Denn Trauer ist ein Teil von mir. Sie gehört zu mir. So wie Keksi zu mir gehörte. So wie sie ein Teil von mir war – und immer sein wird. Und ehrlicher als das hier kann ich kaum sein.

Ein Bild, dass mehr als tausend Worte sagt.
Sechs Monate ohne dich
Sechs Monate. Eine Zahl, die sich nüchtern anhört, fast harmlos. Und doch fühlt sie sich an wie ein ganzes anderes Leben. Seit Keksi nicht mehr da ist, ist so viel passiert – in mir und um mich herum. Dinge, die früher selbstverständlich waren, sind es heute nicht mehr. Routinen, Gedanken, Gefühle: alles hat sich verschoben. Ich habe in meinem bisherigen Leben noch nie einen so großen Verlust erlebt. Nichts, was mich auch nur ansatzweise darauf hätte vorbereiten können. Und vielleicht ist genau das der Punkt: Man kann sich nicht vorbereiten. Nicht auf diesen Schmerz. Nicht auf diese Leere. Nicht auf das Gefühl, dass einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird.

Mein Mädchen…unvergessen!
Trauer kennt kein Patentrezept
Jeder Mensch trauert anders. Das habe ich schnell gelernt. Und es gibt kein richtig oder falsch. Kein „So musst du das machen“ und kein „Jetzt ist aber auch mal gut“. Es gibt keine Anleitung, kein Ablaufdatum, keinen festen Zeitpunkt, an dem die Trauer verschwindet. Manche sagen, man werde mit jedem Verlust stärker. Man wachse daran, reflektiere sich selbst mehr, gehe gefestigter daraus hervor. Vielleicht stimmt das für manche. Für mich nicht. Mich hat dieser Verlust nicht stärker gemacht. Er hat mich erst einmal komplett aus der Bahn geworfen. Wochenlang hatte ich dicke, entzündete Augen vom vielen Weinen. Tage, an denen Aufstehen schon eine Herausforderung war. Nächte, in denen der Schmerz so laut war, dass Schlaf kaum möglich schien.

Ich hab Dich so lieb.
Wenn der Alltag plötzlich weh tut
Wenn man seinen Hund 24/7 um sich hatte, ist der Verlust kaum in Worte zu fassen. Keksi war nicht „nur“ mein Hund. Sie war meine Konstante. Mein Alltag. Mein Rhythmus. Mein Zuhause auf vier Pfoten. Natürlich ist es schön, dass viele Menschen Anteil genommen haben. Nachrichten geschrieben haben. Da waren. Getröstet haben. Und ich bin dankbar dafür – wirklich. Aber wenn ich ehrlich bin: Helfen tut es nur bedingt. Denn am Ende muss man selbst lernen, mit dem Verlust zu leben. Selbst einen Weg finden, den Schmerz auszuhalten. Und genau da beginnt die eigentliche Herausforderung. Denn wie macht man das eigentlich?

Das waren wir.
Begegnungen, die alles wieder aufreißen
Vor einiger Zeit hatte ich eine Situation, die mir noch lange nachgehangen ist. Ich war mit einer Bekannten unterwegs, als wir einem älteren Paar mit einem Cavalier begegneten. Ich kannte beide – und auch den Hund. Einfach vorbeigehen oder die Straßenseite wechseln war keine Option. Cavalier-Begegnungen sind für mich bis heute extrem schwer. In jedem Cavalier sehe ich Keksi. Und jedes Mal brechen die Gefühle wieder über mich herein. Mein Körper reagiert sofort: Enge im Brustkorb, Tränen, dieses ohnmächtige Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Ich musste mich richtig zusammenreißen, um nicht komplett zusammenzubrechen. Und genau in solchen Momenten merke ich, wie tief diese Wunde noch ist.

Danke, dass Du bei mir warst.
„Warum willst du dann irgendwann wieder einen Hund?“
Nach dieser Begegnung kam eine Frage, die ich schon öfter gehört habe – und die für viele unverständlich ist: Warum ich trotzdem irgendwann wieder einen Hund in meinem Leben möchte. Meine Antwort ist simpel und gleichzeitig schwer zu erklären: Weil ich so bin. Ich bin ein Mensch, der ein Tier um sich braucht. Ein Wesen, um das ich mich kümmern kann. Mit dem ich eine Bindung aufbaue. Mit dem ich meinen Alltag teile. Früher waren es die Pferde. Heute sind es die Hunde. Ein Leben ohne Tiere – insbesondere ohne Hunde – ist für mich keine Option. Und das hat nichts damit zu tun, Keksi zu ersetzen. Das könnte niemand. Es geht darum, wer ich bin. Und das können vermutlich nur echte Hundemenschen wirklich verstehen.

Der tägliche Kampf mit den Gefühlen
Aktuell fühlt sich jeder Tag ein Stück weit wie ein innerer Kampf an. Mit mir selbst. Mit meinen Gedanken. Mit meinen Gefühlen. Verdrängung ist oft meine Methode geworden, um den Schmerz erträglicher zu machen. Funktionieren. Weitermachen. Nicht zu tief graben. Kurzfristig hilft das. Langfristig weiß ich, dass es keine Lösung ist. Aber vielleicht muss es auch nicht sofort eine Lösung geben. Vielleicht darf Trauer einfach da sein. In Wellen kommen. Wieder gehen. Und irgendwann leiser werden – ohne dass man sie wegdrängt.

Für Leckerlies einfach alles machen.
Kein Zeitplan für Heilung
Wann der Schmerz weniger wird, wird die Zeit zeigen. Ich mache mir bewusst keinen Druck. Auch wenn das für andere manchmal komisch wirkt. Oder unverständlich. Ich habe aufgehört, mich dafür zu rechtfertigen, wie lange meine Trauer dauert. Oder wie sie aussieht. Denn Keksi war für mich mehr als nur mein Hund. Sie war Familie. Seelenhund. Herzstück. Und genau das macht es so schwer.

Danke!
Was bleibt
Keksi wird immer einen ganz großen Platz in meinem Herzen haben. Daran wird sich nichts ändern. Sie ist Teil meiner Geschichte. Teil von mir. Vielleicht ist genau das der Weg, mit Trauer umzugehen: Sie nicht wegzuschieben, sondern ihr einen Platz zu geben. Einen festen. Stillen. Ehrlichen. Und wenn dieser Text auch nur einer einzigen Person das Gefühl gibt, nicht allein zu sein mit ihrer Trauer, dann war es richtig, ihn zu schreiben. Denn Trauer ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist Liebe. Und Liebe hört nicht einfach auf.
„Und wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.“
Dieser Satz hängt bei uns im Wohnzimmer – direkt über Keksis Gedenkplatz. Er begleitet mich jeden Tag. Nicht als Trostpflaster, sondern als leise Erinnerung daran, dass Trauer sich irgendwann wandeln darf. Dass sie Platz macht für Dankbarkeit. Für all die gemeinsamen Momente. Für ein Leben, das reicher war, weil es sie gab.
Vielleicht geht es bei Trauer gar nicht darum, sie loszulassen. Vielleicht geht es darum, ihr einen Platz zu geben. Einen Platz, an dem sie nicht alles überschattet, aber auch nicht verdrängt wird. Keksi hat mein Leben verändert. Und auch wenn ihr Platz heute leer ist, bleibt die Liebe. Und sie bleibt für immer!
Danke, mein Mäuschen!
Über die Autorin:
